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Schmälzle und die Kräuter des Todes

E-BookEPUBePub WasserzeichenE-Book
336 Seiten
Deutsch
Rowohlt Verlag GmbHerschienen am24.07.20181. Auflage
Hätte das nicht bis morgen Zeit gehabt! «Im Lebe net», meint die Putzfrau des Polizeipostens von Bad Wildbad. Aber sie täuscht sich: Der neue Kommissar aus Karlsruhe heißt Justin Schmälzle, er ist schwarz, vegan und liebt (außer seiner Frau Claudia) kaum etwas mehr als seinen Reismilch-Macchiato. In Karlsruhe hat er noch einen Drogenring ausgehoben. In Bad Wildbad werden allenfalls Blumenkübel in die Enz geworfen. Wenn es hoch kommt. Schaden: 250 Euro. Doch dann treibt ein toter Mann im Fluss unter dem Lindenbrückle. Wenig später verschwindet eine junge Frau im Bannwald. Schließlich tauchen auch noch Tütchen mit Kräutern auf, die an die Jugendlichen von Bad Wildbad verkauft werden. Was ist hier los? Justin Schmälzle wird es herausfinden. Aber erst nach seinem Reismilch-Macchiato.

Linda Graze verbrachte ihre Kindheit im Nordschwarzwald. Nach einer Ausbildung zur Dolmetscherin beschloss sie: Nicht die Texte anderer übersetzen, lieber selber schreiben! Sie wurde Werbetexterin und arbeitete für die großen Agenturen des Landes, von München über Hamburg bis Frankfurt. Sie schrieb Kampagnen für Kameras und Kosmetik, textete für Sahnebonbons, Schokoriegel und Schrauben. Inzwischen betreibt sie eine Recruiting-Agentur für die Werbebranche in Stuttgart.
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Verfügbare Formate
TaschenbuchKartoniert, Paperback
EUR13,00
E-BookEPUBePub WasserzeichenE-Book
EUR4,99

Produkt

KlappentextHätte das nicht bis morgen Zeit gehabt! «Im Lebe net», meint die Putzfrau des Polizeipostens von Bad Wildbad. Aber sie täuscht sich: Der neue Kommissar aus Karlsruhe heißt Justin Schmälzle, er ist schwarz, vegan und liebt (außer seiner Frau Claudia) kaum etwas mehr als seinen Reismilch-Macchiato. In Karlsruhe hat er noch einen Drogenring ausgehoben. In Bad Wildbad werden allenfalls Blumenkübel in die Enz geworfen. Wenn es hoch kommt. Schaden: 250 Euro. Doch dann treibt ein toter Mann im Fluss unter dem Lindenbrückle. Wenig später verschwindet eine junge Frau im Bannwald. Schließlich tauchen auch noch Tütchen mit Kräutern auf, die an die Jugendlichen von Bad Wildbad verkauft werden. Was ist hier los? Justin Schmälzle wird es herausfinden. Aber erst nach seinem Reismilch-Macchiato.

Linda Graze verbrachte ihre Kindheit im Nordschwarzwald. Nach einer Ausbildung zur Dolmetscherin beschloss sie: Nicht die Texte anderer übersetzen, lieber selber schreiben! Sie wurde Werbetexterin und arbeitete für die großen Agenturen des Landes, von München über Hamburg bis Frankfurt. Sie schrieb Kampagnen für Kameras und Kosmetik, textete für Sahnebonbons, Schokoriegel und Schrauben. Inzwischen betreibt sie eine Recruiting-Agentur für die Werbebranche in Stuttgart.
Details
Weitere ISBN/GTIN9783644402287
ProduktartE-Book
EinbandartE-Book
FormatEPUB
Format HinweisePub Wasserzeichen
FormatE101
Erscheinungsjahr2018
Erscheinungsdatum24.07.2018
Auflage1. Auflage
Seiten336 Seiten
SpracheDeutsch
Artikel-Nr.2530644
Rubriken
Genre9201

Inhalt/Kritik

Leseprobe



Donnerstag, 1.9.2016
Die Spatzen sind schon bei der sechsten Strophe


Schlag sieben Uhr dreißig fährt Justin Schmälzle in der Bätznerstraße vor, lehnt sein Rad an das ehemalige Forsthaus und nimmt die wenigen Stufen mit einem Satz. Dann stößt er die schwere Tür auf, durchquert den schmalen Flur und steht im düsteren Türrahmen, das Desaster direkt im Visier. Über die gesamte Bodenfläche breitet sich Flüssigkeit aus, schwappt in dem Moment aus dem Eimer, in dem er einen Fuß in den Raum setzen will. Schaum verteilt sich in der Stube. Bläschen eilen vorwitzig hin und her, bis sie müde sind und platzen.

«Das ist doch ein Holzboden!» Schmälzle hält beide Hände an den Hinterkopf, als wollte er ihn vor der Sintflut bewahren.

Eine imposante Gestalt steht mitten im Raum und beäugt den Eindringling, der mit einer Leidensmiene vor ihr steht, als wäre er ein Staubsaugervertreter.

«Das Asylantenheim isch drüben, im Windhof», sagt die blonde, üppige Frau, die in einen pinkfarbenen Jogginganzug gequetscht ist. Hinter wachen blauen Augen, die abwechselnd zwischen ihm und der Überschwemmung hin- und herspringen, lauert der Argwohn. «Oder in die Uhlandshöhe, wollet Sie vielleicht dahin?»

Die Perle des Polizeipostens von Bad Wildbad baut sich zu stattlichen eineinhalb Metern auf und weist mit dem Stiel ihres Flachwischers den Weg. Zur Tür. Dabei kneift sie die Augen zusammen. Als wollte sie ihr Inneres schützen vor dem exotischen Unbekannten, der soeben ihr Universum betreten hat.

«Oh», sagt Schmälzle. «Ermitteln die Kollegen in den beiden Asylbewerberheimen?»

Dann setzt sein Denkapparat ein. Nett sei es hier, hatte Claudia ihm vorgeschwärmt, und die Menschen: unglaublich freundlich. Aha. Stumm schaut ihn die Putzfrau an. Lange. Nicht erschreckt, nein, sie wirkt nicht, als würde sie sich vor dem schwarzen Mann fürchten. Vielleicht ist es sein Dialekt, den sie nicht verstehen will. Obwohl es sich um astreines Badisch handelt.

Irgendwann findet sie ihre Sprache wieder. «Die Kollege!», ruft sie. «Es wär besser, wenn Sie verschwunde wäret, wenn der Chef kommt, dies isch nämlich die Polizei.»

Mit einer wischenden Bewegung versucht sie, Schmälzle fortzuscheuchen. Wie konnte sich Claudia so täuschen, wie konnten wir Sam nur nach Bad Wildbad locken, wo um alles in der Welt bin ich gelandet - der Strom finsterer Gedanken will kein Ende nehmen.

Schmälzle sagt: «Eben drum.»

«Ihr Deutsch isch ja tadellos.» Die Putzfrau klingt verwundert. «Lernt mer des in der Schul, bei euch in Eritrea?», fragt sie neugierig.

«Eritrea?» Schmälzle zieht sein Smartphone aus der Tasche und sucht einen Kontakt. Dann watet er durchs Wasser und setzt sich auf einen der drei gepolsterten Schreibtischstühle vor einen der drei Holzschreibtische.

Die Perle presst die Augen zu schmalsten Schlitzen. «Es hat gheiße, es tät schwarze Schafe geben unter den Flüchtlingen ...»

«Was?», fragt Schmälzle, während das Freizeichen, das seine Ohren traktiert, der Lebenslänglichkeit entgegenstrebt.

Dann legt er seine Füße auf den frisch geputzten Schreibtisch. Die Putzfrau saugt die Luft ein und pumpt ihren Oberkörper auf. Schmälzle blickt zur vertäfelten Holzdecke. Kurz Atem holen, nachdenken, Strategie entwickeln, sich leidtun. Würde er Claudia nicht so lieben, säße er jetzt in Karlsruhe bei seiner Truppe, und sie würden darauf anstoßen, dass sie den Schutzgeldring von Zoran Zapronic haben hochgehen lassen.

Wie gut, dass zwei Zeiger die Aufmerksamkeit der Perle einfordern: Zehn vor acht, behauptet die Wanduhr. Mit der Kraft von mindestens zwei Herzen fährt sie fort, den Boden zu bearbeiten. In Windeseile zieht der Wischmopp Bahn für Bahn, langsam die Flüssigkeit in sich aufnehmend, um sie zurück in den Blecheimer zu befördern. So geht das zwei Minuten, drei Minuten, vor Schmälzle und hinter ihm, bis die Perle sich mit einem angriffslustigen Hüftschwung zu ihm schiebt und mit einem silbern glitzernden Zeigefinger auf die muskulöse Schulter des Eindringlings tippt.

«Sen Sie immer noch da?»

«Ja. Und ich bleibe auch hier. Mein Name ist Justin Schmälzle. Ich bin der neue Kommissar aus Karlsruhe und heute ist mein erster Arbeitstag. Wann fangen die Kollegen denn morgens an?»

Es muss am Reismilch-Macchiato-Mangel liegen, dass ihm das nicht früher eingefallen ist! Die Putzfrau schüttelt die blonden Locken. Wieder und noch mal. Dann lässt sie ihre Blicke über seinen fast kahlen Ober- und Hinterkopf schweifen, bleibt an dem heute Morgen rasch gebügelten weißen Hemd hängen, streift eine gut sitzende Jeans über blau-rot-grünen Sportschuhen.

«Sie sen im Lebe net der neue Kommissar aus Karlsruhe», sagt sie und geht, bevor er protestieren kann, in druckreifes Hochdeutsch über: «Wenn Sie ein Gelbfüßler sind, fresse ich meinen Wischmopp.»

Kaum hat sie den langen Satz ausgewrungen, öffnet sich wie von magischer Hand die Tür zur Polizeistube.

«Dann tun Sie auch viel Pfeffer drauf, Frau Meichle», sagt eine tiefe Stimme. «Entschuldigen Sie, unsere Frau Meichle ist ein Vorbild an Sauberkeit, die kärchert sogar unsere Kriminellen weg.»

Die sichtbaren Hautpartien der Frau gehen eine Symbiose mit ihrem grellen Outfit ein. «Herr Scholz, ich ...»

«Sie machen einen Abflug! Und zwar dalli, zack.»

Die Putzfrau schmollt, verduftet durch die Hintertür und hinterlässt nichts als ein Näschen voll frischer Zitrone.

Schmälzle nimmt den gut zehn Jahre älteren Polizeipostenleiter von Bad Wildbad in Augenschein: dunkle, gegelte Haare, Polizei-Shirt, schwarze Jeans, dunkle Nylon-Classics. Sein neuer Chef knackt die Finger. Einzeln. Nacheinander. In einer Geschwindigkeit, die dem historischen Gebäude nicht zu Gesicht steht. «Scholz», knack, Daumen links, knack, Daumen rechts. «Harald Scholz», sagt Harald Scholz und reicht dem neuen Kollegen die Hand. Der nimmt die Füße vom Tisch und zeigt entschuldigend auf den Fußboden.

«Schmälzle», stellt er sich vor.

«Ich weiß», sagt Scholz. «Justin Schmälzle. Wie der Timberlake.»

Schmälzle rümpft die Nase. Dann sagt er: «Meine Freunde nennen mich Just.» Er spricht es amerikanisch aus: Tschast.

«Dann bleiben wir bei Schmälzle. Ich bin Scholz an Guter-Bulle- und Polizeipostenleiter Scholz an Böser-Bulle-Tagen.» Ein breites Grinsen trennt das gebräunte, säuberlich rasierte und mit feiner Lotion getränkte Gesicht des Wildbaders in zwei Hälften. Schmälzle sieht sich aufmerksam in der Polizeistube um.

«Prähistorisch», sagt Scholz, «wie vieles in unserem hübschen Kurstädtchen.»

«Zum Beispiel mein Wohnzimmer», meint Schmälzle grinsend. «Meine Frau hat sich gefragt, ob sie in Creedence-Clearwater-Revival-Zeiten wiedergeboren wurde.» Kurz schweifen seine Gedanken ab, er sieht das Innenleben seines neu erworbenen Hauses vor sich: Blümchentapeten, Nachtspeicheröfen, einen wandfüllenden Nussbaumschrank, denn das Inventar war zwangsinklusive.

Scholz holt ihn zurück in den Polizeiposten, indem er ein wildes Solo auf seinem Schreibtisch trommelt und ein «Uuuuuh!» hinterherschickt, an dem John Fogerty seine helle Freude gehabt hätte.

Oje, denkt Schmälzle, ein Altrocker. Dann fragt er: «Was gibt es hier denn so für Fälle?»

Der Kollege beendet seine Zeitreise widerwillig. «Schaffelle», sagt er dann, «Ziegenfelle, vielleicht findest du auch mal ein Kaninchenfell.»

Schmälzle wird das Gefühl nicht los, in einem ganz üblen B-Movie eine ganz miese Rolle zu spielen. Gleich wird er aufwachen, weil die Filmspule zu Ende ist, oh ja, bestimmt.

«Harald, verwirre den Kollegen doch nicht so.» Eine junge Frau schreitet vorsichtig in löchrigen Sommerboots samt lässiger olivfarbener Hose über den glitschig nassen Fußboden. Sie wirft ihren Rucksack auf einen der beiden Schreibtische am Fenster, schüttelt ihren dunklen Bob, als wollte sie ihn vom Feinstaub befreien (was nicht sein kann, weil es den hier nicht gibt), kommt auf Schmälzle zu und streckt ihm eine zartgliedrige Hand entgegen.

«Ich bin Leo. Leonie Uhlig. Polizeisekretärin», sagt sie. «Wir duzen uns hier, wenn das für dich kein Problem ist.»

«Im Gegenteil! Ich bin Justin», sagt er.

«Wie der Timberlake», fügt Scholz hinzu. «Aber bass uff, Leo, den mag er nicht.»

«Der ist doch schnucklig», sagt die Kollegin und checkt den neuen Kollegen von oben bis unten ab wie ein Körperscanner. Sie streift gut definierte Bizepse und Trizepse, die sich unter seinem frisch gebügelten weißen Hemd abzeichnen. Dann passieren ihre Augen ein glatt rasiertes, ebenmäßiges dunkles Gesicht, ausgeprägte Wangenknochen und einen hellwachen Blick. Sie kommt zur Sache: «Du hast nach unseren Fällen gefragt, Justin. Jetzt sag´s ihm, Harald.»

«Enzkübel, Schmälzle, machen uns zu schaffen.»

«Blumenkübel, die man in die Enz geworfen hat. Jugendliche, vermutlich», ergänzt Leonie.

«Nicht zu verwechseln mit Samstagsabendbesoffenen, die regelmäßig in die Enz kübeln. Das ahnden wir nicht.» Scholz schiebt Schmälzle das Wildbader Anzeigenblatt zu.

«Die Polizei berichtet: Blumenkästen in die Enz geworfen», liest der laut vor. «Unbekannte haben über das Wochenende in Bad Wildbad sechs am Geländer des Lindenbrückle hängende Blumenkästen in die Enz geworfen und damit einen Schaden von rund zweihundertfünfzig Euro angerichtet. Der Polizeiposten Wildbad hat die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen und bittet um Hinweise.»

Stille. Gedanken jagen durch verzweigte Hirnkanäle. Nur ein Ächzen der Holzvertäfelung ist zu hören. Allein...
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Linda Graze verbrachte ihre Kindheit im Nordschwarzwald. Nach einer Ausbildung zur Dolmetscherin beschloss sie: Nicht die Texte anderer übersetzen, lieber selber schreiben! Sie wurde Werbetexterin und arbeitete für die großen Agenturen des Landes, von München über Hamburg bis Frankfurt. Sie schrieb Kampagnen für Kameras und Kosmetik, textete für Sahnebonbons, Schokoriegel und Schrauben. Inzwischen betreibt sie eine Recruiting-Agentur für die Werbebranche in Stuttgart.