Hugendubel.info - Die B2B Online-Buchhandlung 

Merkliste
Die Merkliste ist leer.
Bitte warten - die Druckansicht der Seite wird vorbereitet.
Der Druckdialog öffnet sich, sobald die Seite vollständig geladen wurde.
Sollte die Druckvorschau unvollständig sein, bitte schliessen und "Erneut drucken" wählen.

Goethespur

E-BookEPUBePub WasserzeichenE-Book
256 Seiten
Deutsch
Gmeiner Verlagerschienen am13.03.20192023
Hendrik Wilmut, Literaturdozent an der Universität Frankfurt, fällt aus allen Wolken, als sein alter Freund Eddie darauf beharrt, dass Goethes erste Italienreise in Wahrheit nie stattgefunden hat. Auch Eddies Behauptung, er werde verfolgt, glaubt Wilmut nicht. Erst als ein Attentat auf Eddie verübt wird, beginnt er sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Beide reisen auf Goethes Spuren nach Innsbruck und über den Brenner. Tag um Tag, Kilometer um Kilometer kommen sie dem Attentäter näher ...

Bernd Köstering wurde 1954 in Weimar/Thüringen geboren und lebt heute in Offenbach am Main. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und drei Enkelkinder. Die Romane und Kurzgeschichten des Autors leben von seinem feinen Gespür für die Beweggründe seiner Figuren. Gemeinsam mit dem Gmeiner-Verlag entwickelte er das Genre des Literaturkrimis, in dem ein bekanntes Werk der Weltliteratur den jeweiligen Fall auslöst oder auflöst. Kösterings Goethekrimis um den Privatermittler Hendrik Wilmut haben unter Fans inzwischen Kultcharakter. »Goethespur« ist der vierte Band der Reihe. www.literaturkrimi.de
mehr
Verfügbare Formate
TaschenbuchKartoniert, Paperback
EUR13,00
E-BookEPUBePub WasserzeichenE-Book
EUR9,99
E-BookPDF1 - PDF WatermarkE-Book
EUR9,99

Produkt

KlappentextHendrik Wilmut, Literaturdozent an der Universität Frankfurt, fällt aus allen Wolken, als sein alter Freund Eddie darauf beharrt, dass Goethes erste Italienreise in Wahrheit nie stattgefunden hat. Auch Eddies Behauptung, er werde verfolgt, glaubt Wilmut nicht. Erst als ein Attentat auf Eddie verübt wird, beginnt er sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Beide reisen auf Goethes Spuren nach Innsbruck und über den Brenner. Tag um Tag, Kilometer um Kilometer kommen sie dem Attentäter näher ...

Bernd Köstering wurde 1954 in Weimar/Thüringen geboren und lebt heute in Offenbach am Main. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und drei Enkelkinder. Die Romane und Kurzgeschichten des Autors leben von seinem feinen Gespür für die Beweggründe seiner Figuren. Gemeinsam mit dem Gmeiner-Verlag entwickelte er das Genre des Literaturkrimis, in dem ein bekanntes Werk der Weltliteratur den jeweiligen Fall auslöst oder auflöst. Kösterings Goethekrimis um den Privatermittler Hendrik Wilmut haben unter Fans inzwischen Kultcharakter. »Goethespur« ist der vierte Band der Reihe. www.literaturkrimi.de
Details
Weitere ISBN/GTIN9783839259603
ProduktartE-Book
EinbandartE-Book
FormatEPUB
Format HinweisePub Wasserzeichen
Erscheinungsjahr2019
Erscheinungsdatum13.03.2019
Auflage2023
Reihen-Nr.4
Seiten256 Seiten
SpracheDeutsch
Artikel-Nr.4205024
Rubriken
Genre9201

Inhalt/Kritik

Leseprobe

1 Frankfurt a. M.

Sonntag, 31. August, vormittags

Hendrik Wilmut kannte den Mann, das war ihm sofort klar. Dieser lang gezogene Nasenrücken und die leicht vorgeschobene Mundpartie. Selbst die Haare trug er noch wie damals: blond gefärbtes Deckhaar, strähnig herabfallend, darunter dunkel. Damals - was hieß das? Wann und wo? Es wollte ihm nicht einfallen.

Hendrik musste sich zwingen, in seine Zeitung zu sehen, statt reflexartig immer wieder einen Blick auf das vermeintlich bekannte Gesicht zu werfen. Er saß an einem runden Tisch direkt neben dem Eingang. Hanna kam zu ihm und legte ihre Hand vertraut auf seine Schulter. In ihrem Café war am Sonntag früh kurz nach der Öffnung noch nicht viel Betrieb. In ein bis zwei Stunden würde sich das ändern. »Der Blonde mit der wilden Frisur da hinten«, flüsterte sie, »der schaut immer zu dir rüber, kennst du den?«

»Ich denke schon«, raunte Hendrik ihr zu. »Aber ich weiß nicht mehr woher.«

»Frag ihn doch einfach!«

»Wir könnten ihn auf einen Espresso einladen.«

»Okay, ich mach das.« Hanna ging direkt auf den Fremden zu: »Hallo, Hendrik möchte Sie gern zu einem Espresso einladen.«

Er sah sie leicht belustigt an. »Bei ihm oder bei mir?«

»Bei mir!«, rief Hendrik hinüber.

»Das dachte ich mir.« Der Fremde stand auf und schlenderte auf Hendrik zu.

Jetzt erkannte er ihn. Diese drahtige Figur. Dazu der vorwurfsvolle Gang, als habe sich das gesamte Universum gegen ihn verschworen, den hatte er schon damals, als Student.

Hendrik erhob sich: »Hallo, Eddie!«

Sein Gegenüber nickte. »Aha, kennst mich doch noch.«

Sie gaben sich die Hand und musterten sich neugierig. So wie man sich anschaut nach Jahren verpassten Miteinanders. Natürlich hatten sie sich verändert. Eddie hatte reichlich Erlebnisfalten bekommen. Bei Hendrik war es wohl eher das graue Haar, das vom Leben berichtete. Endlich setzten sie sich. Hanna servierte den Espresso. Die Kaffeesorte hatte Hendrik ausgesucht, speziell für »Hanna s Wohnzimmer«.

»Deine Freundin, Wilmut?«, fragte Eddie.

»Fast«, antwortete Hendrik. »Meine Frau.«

»Oha, verheiratet!« Er gab Hanna die Hand. »Ich bin Edmund Fahrnholtz, Hendrik und ich haben zusammen studiert. Er mit Erfolg, ich nicht.«

»Hallo, Herr Fahrnholtz!«, sagte Hanna.

»Kannst mich ruhig duzen, in Frankfurt nennen mich alle Eddie.«

Hanna ließ ein leises Okay vernehmen und ging hinaus auf die Terrasse, um die Stühle zurechtzurücken.

»Zufall?«, fragte Hendrik.

Edmund grinste. »Du kommst direkt zur Sache, gefällt mir. Kein Zufall. Ein Kunde hat mir erzählt, dass du ständig hier rumhängst.«

»Ständig im eigentlichen Wortsinn kann wohl nicht sein, aber häufig, das stimmt.«

Eine blonde Haarsträhne fiel Edmund in die Stirn. »So kenne ich dich, immer ein wenig den Oberlehrer raushängen lassen. Aber natürlich hast du recht. Nach über 20 Jahren Taxifahren in Frankfurt schleift sich das gute Deutsch etwas ab.«

»Ach so â¦«

»Und du?«

»Dozent an unserer alten Wirkungsstätte, Uni Frankfurt. Seit acht Jahren bin ich mit Hanna verheiratet, habe sie in Weimar kennengelernt.«

»In Weimar?«

»Ja, ich war dort einige Jahre regelmäßig wegen eines Forschungsprojekts an der Anna Amalia Bibliothek.«

»Ach, die gute alte Anna Amalia, sehr nobel. Goethe war ja schon im Studium dein Spezialgebiet, heute immer noch?«

»Ja, immer noch.«

»Gut.« Er legte eine kurze Pause ein, und Hendrik fragte sich, ob das »Gut« wirklich gut gemeint war.

»Und, Wilmut, was machen die Kriminalfälle?«

Damit hatte Hendrik nicht gerechnet. »Du hast dich über mich informiert?«

»Das habe ich«, antwortete Edmund ohne eine Spur von Verlegenheit.

»Nein, keine Kriminalfälle mehr. Die gehören zu meiner Weimarer Vergangenheit.« Hendrik hatte plötzlich das Gefühl, zu viel von sich preisgegeben zu haben. Am liebsten hätte er das Gespräch beendet. Aber eins musste er noch fragen: »Wo warst du eigentlich die ganze Zeit?«

»Wie schon gesagt: in einem Frankfurter Taxi. Und nachts in einem IKEA-Bett in der Wiener Straße.«

»Allein? Ich meine, in dem IKEA-Bett.«

Edmund lachte. Vielleicht dachte er an früher, als sie befreundet gewesen waren und solche Gespräche zum Alltag gehört hatten. »Lange allein«, sagte er. »Seit drei Jahren zu zweit.«

Hendrik nickte.

»Ich will dich nicht langweilen, Wilmut. Ich habe ein großes Projekt, mit dem ich in die Literaturwelt zurückkehren werde. Ich brauche aber noch ein paar Tage, um es vorzubereiten. Ich melde mich wieder. Ich freue mich darauf!«

Hendrik registrierte mit der ihm eigenen grammatikalischen Analytik, dass Edmund die letzten vier Sätze alle mit »Ich« begonnen hatte. »Um was geht es denn?«

»Ach, weißt du, Wilmut, das möchte ich dir erst sagen, wenn alles hieb- und stichfest ist.«

»Und welche Rolle hast du mir dabei zugedacht?«

»Eine wichtige Rolle. Aber auch das erzähle ich dir beim nächsten Mal. Danke für den Espresso!« Er grinste, stand auf und forderte Hendriks Hand.

Hendrik zögerte kurz, doch schließlich streckte er seinen Arm aus. Sie verabschiedeten sich. Edmund verließ das Café und schlenderte über den Affentorplatz. Hanna hatte sich längst in die Küche zurückgezogen.

*

Montag, 1. September, morgens

Hendrik Wilmut hatte Edmund Fahrnholtz schon fast vergessen, zumal eine Menge Gäste seine Aufmerksamkeit gefordert hatten. Soweit möglich, half er sonntags in »Hanna s Wohnzimmer«. Er war dann der Büfettier, bereitete die Kaltgetränke servierfertig zu und bediente die italienische Espressomaschine, was ihm eine besondere Freude war.

Erst beim Frühstück am nächsten Morgen fragte ihn Hanna nach dem »seltsamen Vogel«, wie sie Edmund nannte. Hendrik lächelte und berichtete ihr aus Studienzeiten, in denen er viele Semester lang mit ihm befreundet gewesen war. Oft hatten sie zusammen gelernt und stundenlang, ohne zu reden, nebeneinander in der Universitätsbibliothek gesessen und gelesen.

Ob dies die Zeit gewesen sei, in der Hendrik mit Gesa zusammen war, fragte Hanna dazwischen.

»Richtig, diese Zeit war das. Meine Gesa-Phase.« Hendrik lächelte. Sein Vorleben war kein Geheimnis für Hanna.

»Eines Tages«, erzählte er, »im letzten Semester, da verschwand Eddie. Es war ein Donnerstag, ich kann mich noch genau daran erinnern. Wir hatten uns zu Wochenbeginn getrennt auf das am Freitag anstehende Examen vorbereitet. Am Mittag wollten wir uns in einem kleinen Studentenlokal an der Bockenheimer Warte treffen, um uns auszutauschen und gegenseitig zu motivieren. Ich wartete vergebens, nicht nur an diesem, auch am folgenden Tag. Bis zur letzten Sekunde stand ich vor dem Prüfungssaal, total aufgeregt, das kannst du dir sicher vorstellen. Aber Eddie kam nicht.«

Hendrik stockte. Er musste sich eingestehen, dass ihn die Erzählung mehr mitnahm, als er gedacht hatte.

»Kann man sagen, dass ihr damals beste Freunde wart?«, fragte Hanna.

»Äh, ja, das kann man sagen.«

Wie so oft brachte Hanna die Zusammenhänge mit wenigen Worten auf den Punkt.

»Jedenfalls habe ich ihn gesucht«, fuhr er fort, »in den Tagen danach, auch später noch, bei Freunden, bei seinen Eltern, in den Kneipen. Vergeblich: Eddie blieb verschwunden. Fast so, als sei er geflüchtet. Ich habe ihn all die Jahre nicht wiedergesehen, bis gestern im Café.«

Sofort begann Hanna, Mutmaßungen anzustellen, warum Edmund sich aus seinem alten Leben zurückgezogen haben könnte. »Vielleicht hatte er Prüfungsangst? Oder Liebeskummer? Eine Krebserkrankung? Depressionen? Tod eines Familienangehörigen? Oder er wollte einfach nur aus dem vorgezeichneten Lebensweg ausbrechen?«

Hendrik lächelte. »Du hast eine enorme Kreativität im Konstruieren von Entschuldigungen. Natürlich kann ich nichts davon ausschließen, aber zugleich sind alle Szenarien äußerst unwahrscheinlich. Ich habe mehrmals mit Eddies Eltern gesprochen, einem Arbeiterehepaar - sie Schneiderin, er Mechaniker -, beide sehr stolz darauf, dass ihr Sohn studierte und ob seines Verschwindens völlig am Boden zerstört. Bei meinem letzten Besuch baten sie mich, die Nachforschungen einzustellen und sie quasi â¦ ihrem trauten Schmerz zu überlassen.«

In dieser Zeit hatte sich Hendriks Einstellung zu Edmund Fahrnholtz geändert. Sorgen wurden zu Anschuldigungen, Nachdenklichkeit zu Ärger und Freundschaft zu Ablehnung.

*

Montag, 1. September, mittags

Hendrik Wilmut hatte seine Vorlesung beendet. Er überquerte den Innenhof des Universitätshauptgebäudes in Richtung Rotunde. Dieser halbkreisförmige Gebäudeteil hatte General Eisenhower in der Nachkriegszeit als Büro gedient, heute war er Teil des Eingangsfoyers. Die milde Spätsommersonne hatte die Luft angenehm erwärmt.

Diesmal erkannte er Edmund sofort. Er lehnte lässig an der Skulptur der Nymphe, die Miss Eisenhower dermaßen anstößig fand, dass sie entfernt werden musste. Aber sie war wiedergekehrt, so wie Edmund Fahrnholtz.

»Hallo, Wilmut, hast du Zeit?«

»Ja.«

»Wollen wir uns setzen?«

»Okay.«

Sie ließen sich auf der Mauer zuseiten der Nymphe nieder. Der allgegenwärtige Travertinstein warf sein fahles Gelb in den...

mehr

Autor

Bernd Köstering wurde 1954 in Weimar/Thüringen geboren und lebt heute in Offenbach am Main. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und drei Enkelkinder. Die Romane und Kurzgeschichten des Autors leben von seinem feinen Gespür für die Beweggründe seiner Figuren. Gemeinsam mit dem Gmeiner-Verlag entwickelte er das Genre des Literaturkrimis, in dem ein bekanntes Werk der Weltliteratur den jeweiligen Fall auslöst oder auflöst. Kösterings Goethekrimis um den Privatermittler Hendrik Wilmut haben unter Fans inzwischen Kultcharakter. »Goethespur« ist der vierte Band der Reihe. www.literaturkrimi.de